Fibromyalgie

Fibromyalgie  ( FMS)

Die Fibromyalgie ist eine komplexe Erkrankung, die durch chronische und ausgedehnte Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen sowie körperlicher und/oder geistiger Erschöpfungsneigung, sowie weiteren vegetativen  Beeinträchtigungen gekennzeichnet ist. Bisher gibt  es keine nachgewiesene eindeutige Ursache für das Entstehen dieser Krankheit, trotz intensiver Forschung.  Vermutlich besteht ein Defizit in der körpereigenen Schmerzkontrolle.

Aktuell zeigte  allerdings eine Studie der Uni Würzburg, dass bei 35 % der von FMS Betroffenen, Autoantikörper gegen Strukturen des peripheren Nervensystems vorliegen.
Es konnten verschiedene Untergruppen gefunden werden.
Bei der Gruppe, bei der sich die Autoantikörper an Zellen, die das Spinalganglion umgeben, banden, bestand ein höhere Schmerzempfindlichkeit.
Bei der Gruppe, bei der sich die Antikörper gegen Nervenzellen richteten, welche einen Capsicainrezeptor enthalten, also Sensoren für Schärfe und Hitze, war häufiger ein Brennschmerz vorhanden.
Es ist daher anzunehmen, dass die Autoantikörper nicht nur eine Reaktion des Körpers auf die Krankheit sind, sondern wahrscheinlich ursachlich für die Symptome sind.

Nach Schätzungen leiden 2 bis 4% der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 65 Jahren an dieser Erkrankung.

Einige Ärzte behaupten immer noch, dass es die Erkrankung gar nicht gibt.

Es existieren aber mittlerweile zahlreiche Leitlinien mit diagnostischen Kriterien dieser chronischen Schmerzerkrankung, die wörtlich übersetzt „Faser-Muskel-Schmerz“ bedeutet.

Es entsteht  ein sogenanntes  „chronic widespread pain“, also „Schmerzen überall“.  Oftmals besteht  eine  Überempfindlichkeit gegenüber äußere Reize mit  z.B.  vermehrter Empfindlichkeit für Geräusche oder Gerüche.  Eine vermehrte Müdigkeit, Muskelsteife und Schlafstörungen, Schwellungs- und/oder Steifigkeitsgefühl der Hände,  der Füße,  des Gesichts werden oft beschrieben. Es besteht ein hoher Leidensdruck. Sehr häufig besteht gleichzeitig  eine Depression oder eine vermehrte Ängstlichkeit.

Typisch ist, dass ein leichter Druck auf verschiedene Sehnenansätze beim Betroffenen sehr starke Schmerzen auslöst.  Man sollte an diese Erkrankung denken, wenn folgende Symptome bestehen:

  • chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen seit mehr als 3 Monaten
  • körperliche und geistige Erschöpfung
  • nicht erholsamer Schlaf

Da es keinen einzelnen Befund gibt, der diese Erkrankung eindeutig beweist, besteht oft eine große Verunsicherung bei  den Betroffenen. Belastend sind die psychischen Veränderungen, welche  regelhaft  bei dieser Erkrankung dazugehören.  Die Psyche ist  nicht die primäre Ursache sondern ein Teil der Erkrankung.

Leider helfen die üblichen therapeutischen Maßnahmen bei dieser Erkrankung nicht oder nur sehr wenig. Hilfreich ist ein Ausdauertraining mit geringer bis mittlerer Intensität (aerobes Training).  Also eine Bewegung,  ohne sich dabei stark zu belasten.   Kein forciertes Krafttraining, weil dieses  zumeist alles schlimmer macht.  Eine vollständige Heilung ist meistens nicht möglich. Durch Aufklärung, Besprechung der Ängste, Physiotherapie, Bewegung, Entspannungsverfahren  und ggf. Psychotherapie sowie ausgewählte Medikamente können die Symptome jedoch meistens  deutlich gelindert werden.

In den aktuellen deutschen Leitlinien zum FMS sind Kernsymptome als Positiv-Kriterien zum typischen Beschwerdebild enthalten:

  • chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen seit mehr als 3 Monaten
  • körperliche und geistige Erschöpfung
  • nicht erholsamer Schlaf
  • Steifigkeitsgefühl der Hände oder Füße
  • und reduzierte körperliche und/oder geistige Leistungsfähigkeit.

Hinzu kommen weitere Hinweise in der Anamnese:

  • ähnliche chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen bei Familienmitgliedern
  • Schmerzen im Bewegungsapparat, Kopf oder Bauch in der Kindheit oder Jugend,
  • hoher Leidensdruck
  • eine Schmerzzunahme bei Massage
  • eine erfolglose orthopädische Behandlung.

Zur Diagnosestellung ist der FMS-Beschwerdefragebogen gemäß den Empfehlungen des American College of Rheumatologiy (ACR) von 2016 hilfreich.

Bei der Annahme, das FMS sei eine reine Frauenkrankheit, handelt es sich um einen Mythos.  Zwar befinden sich 8- bis 10-mal mehr Frauen als Männer mit einem FMS in Behandlung,  jedoch beträgt das Verhältnis Frauen : Männern in Studien nur 4 zu 3.

Als Risikofaktoren gelten biologische Faktoren (Rheuma, Vitamin D Mangel u.a.), Lebensstilfaktoren (Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel)  sowie  psychische Faktoren ( Misshandlung, sexuelle Gewalt, depressive Störungen)

Die deutsche Leitlinie empfiehlt bei leichter Ausprägung eine „angemessene körperliche und psychosoziale Aktivität“. Bei schweren Verläufen rät sie zu „multimodaler Therapie und zeitlich befristeter medikamentöser Therapie“. Allerdings ist aktuell in Deutschland kein Medikament für die Behandlung des FMS zugelassen.

Therapieempfehlungen:

Medikamentös:
Amitryptillin in niedriger Dosis
Dulexetin bei begleitender Depression oder Angst
Pregabalin bei generalisierter Angst

Meistens ist die Einnahme über Monate sinnvoll.

Wichtig:
Aerobes Ausdauertraining, regelmäßig Kraftsport und Dehnung kombiniert.
Psychotherapie bei  ungünstiger Krankheitsbewältigung, interpersonellen Problemen oder krankheitsunabhängigen psychischen Störungen.
Meditative Bewegungstherapien ( Tai Chi, Qigong, Yoga)
Bei Adipositas: Gewichtreduktion