Fakten zur Fibromyalgie

Bezüglich der Entstehung und Behandlung einer Fibromyalgie, welche aufgrund der Vielzahl der Beschwerden auch als Fibromyalgie-Syndrom (FMS) bezeichnet wird, bestehen viele Unsicherheiten.

Die Fibromyalgie ist eine komplexe Erkrankung, die durch chronische und ausgedehnte muskuloskelettale Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und ausgeprägte körperliche und psychische Beeinträchtigungen gekennzeichnet ist.

Nach Schätzungen leiden 2 bis 4% der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 65 Jahren an dieser Erkrankung.

Einige Ärzte behaupten immer noch, dass es die Erkrankung gar nicht gibt.

Es existieren aber mittlerweile zahlreiche Leitlinien mit diagnostischen Kriterien dieser chronischen Schmerzerkrankung, die wörtlich übersetzt „Faser-Muskel-Schmerz“ bedeutet.

Es gibt keine nachgewiesene eindeutige Ursache für das die Entstehen der Krankheit Fibromyalgie.

Früher galt der Schmerz nur als ein Symptom.

Jetzt gilt der Schmerz auch als eine eigene Erkrankung.

In der ICD-11 besteht nun eine eigene Kategorie „Chronische primäre Schmerzsyndrome“. So heißt ein Schmerzsyndrom, das länger als 3 Monate andauert oder im Laufe der 3 Monate ständig erneut auftritt.

Vermutlich durch ein Defizit in der endogenen Schmerzkontrolle kommt es beim FMS zu einem sog. „chronic widespread pain“, also chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen.

Es gibt Kriterien, durch welche die Fibromyalgie-Patienten von anderen Patienten mit chronischen Schmerz-Syndromen abgrenzbar sind.

Meistens berichten Patienten über eine lokale Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen.
Es besteht auch häufig eine vermehrte Empfindlichkeit  für Geräusche oder Gerüche.
75% der Fibromyalgie-Patienten leiden unter Müdigkeit, Muskelsteife und Schlafstörungen.
Sehr häufig tritt außerdem eine Depression oder eine vermehrte Ängstlichkeit auf.

Zahlreiche Ärzte diagnostizieren das Syndrom immer noch auf Basis der 1990 vom American College of Rheumatology (ACR) festgelegten Kriterien, nach denen zur Diagnose des FMS ein Druckschmerz-Empfinden in 11 von 18 Sehnenansatzpunkten („Tender Points“) vorliegen sollte.

In der Aktualisierung der ACR-Kriterien aus dem Jahr 2010 gehört das Abtasten der Tender Points nicht mehr zur positiven Bestätigung der Diagnose Fibromyalgie.

In den aktuellen deutschen Leitlinien zum FMS sind Kernsymptome als Positiv-Kriterien zum typischen Beschwerdebild enthalten:

  • chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen seit mehr als 3 Monaten
  • körperliche und geistige Erschöpfung
  • nicht erholsamer Schlaf
  • Steifigkeitsgefühl der Hände oder Füße
  • und reduzierte körperliche und/oder geistige Leistungsfähigkeit.

Hinzu kommen weitere Hinweise in der Anamnese:

  • ähnliche chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen bei Familienmitgliedern
  • Schmerzen im Bewegungsapparat, Kopf oder Bauch in der Kindheit oder Jugend,
  • hoher Leidensdruck
  • eine Schmerzzunahme bei Massage
  • eine erfolglose orthopädische Behandlung.

Bei der Annahme, das FMS sei eine reine Frauenkrankheit, handelt es sich um einen Mythos.  Zwar befinden sich 8- bis 10-mal mehr Frauen als Männer mit einem FMS in Behandlung,  jedoch beträgt das Verhältnis Frauen : Männern in Studien nur 1,5:1.  Die Krankheit trtritt auch auch bei Jugendlichen und Kindern auf.

Abzugrenzen ist die FMS von:

  • systemisch-rheumatische Erkrankungen
  • neurologische Erkrankungen
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Vitamin-D-Mangel
  • bakterielle Infektionen wie Borreliose
  • Statin-assoziierte Muskelsymptome (SAMS)
  • Hypophosphatasie, eine seltene Störung im Knochenstoffwechsel
  • Morbus Fabry, eine lysosomale Speichelerkrankung,
  • Polyneuropathie.

Bei der Polyneuropathie tritt allerdings durch Wärmebehandlung eine Verschlimmerung auf, bei dem FMS jedoch „fast immer“ eine Verbesserung ein.

Ein reines FMS ist selten.

Ein isoliertes FMS tritt meist nur bei jungen Patienten um die 30 Jahre auf. Je älter der Patient, desto wahrscheinlicher sind Mischbilder.
Häufig geht ein FMS einher mit Arthrose, myofaszialen Schmerzen, entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, anderen funktionellen Schmerzstörungen oder psychischen Störungen.
Auch die Überlappung von posttraumatischen Belastungsstörungen mit dem FMS ist groß.

Vielen Patienten ist schon geholfen, wenn ein Arzt ihre Schmerzen ernst nimmt.

Die deutsche Leitlinie empfiehlt bei leichter Ausprägung eine „angemessene körperliche und psychosoziale Aktivität“. Bei schweren Verläufen rät sie zu „multimodaler Therapie und zeitlich befristeter medikamentöser Therapie“. Allerdings ist aktuell in Deutschland kein Medikament für die Behandlung des FMS zugelassen.

In Ermangelung an Alternativen wird empfohlen, das Antidepressivum Amitriptylin zur Schmerzbehandlung für etwa 6 Monate einzusetzen. Wissenschaftliche Studien haben auch bei Patienten, die nicht an depressiven Verstimmungen leiden, eine schmerzlindernde Wirkung gezeigt.

Ebenfalls empfohlen wird eine etwa 6-monatige Therapie mit dem krampflösenden, in den USA bereits für die Behandlung der Fibromyalgie zugelassene Medikament Pregabalin insbesondere bei Patienten mit zusätzlicher generalisierter Angststörung.
Eine US-Studie hat gezeigt, dass Pregabalin gegen Schmerzen, Schlaflosigkeit und Morgensteifigkeit hilft.
In Deutschland ist das Medikament zur Therapie von neuropathischen Schmerzen und generalisierten Angststörungen zugelassen.

Aktuell wird medizinisches Cannabis diskutiert und von Patienten oft nachgefragt. Jedoch lassen bisherige Studien keine Rückschlüsse auf den Nutzen eines Einsatzes von Cannabis-Präparaten gegen Symptome des FMS zu.

Ausdrücklich empfohlen wird 2- bis 3-mal wöchentlich ein 30-minütiges Ausdauertraining mit geringer bis mittlerer Intensität.

Außerdem werden in der Leitlinie Wassergymnastik, Funktionstraining oder Trockengymnastik, eine Kombination aus aerobem Training plus Flexibilitäts-, Koordinations- und Kräftigungsübungen, empfohlen.

Das aerobe Training wird bei der Fibromyalgie als Standardtherapie empfohlen, doch fällt es vielen Patienten aufgrund der schwankenden Symptomatik schwer, regelmäßig zu trainieren.

Geringer wirkt meist ein reines Krafttraining, Muskeldehnung oder ein Vibrationstraining.

Bezüglich alternativer Verfahren ist bisher keine größere Wirksamkeit nachgewiesen worden.

Tai-Chi, Qi-Gong und Yoga sind dennoch eine gute  Empfehlung.
Bei Fibromyalgie erweist sich Tai Chi dem aerobem Training mindestens ebenbürtig