Die chronische Lumbago (chronischer Rückenschmerz)

Die chronische Lumbago (chronischer Rückenschmerz)

tritt  mit einer Häufigkeit von 10 %  in Deutschland auf.

Wer  starke degenerative Veränderungen im Kernspintomogramm  hat, der hat auch häufiger Schmerzen. Aus Veränderung im Röntgen und im Kernspintomogramm kann jedoch nicht direkt auf die Schmerzursache zurückgeschlossen werden.
Hierfür sind weitere Untersuchungen und eine spezielle Anamnese wichtig.

Nur dann kann man eingrenzen, war welche Faktoren für die Schmerzursache eine Rolle spielen.

 

Es wurde beispielsweise festgestellt, dass ein höherer statistischer Zusammenhang zwischen chronischen Rückenschmerzen und einer Depression besteht, als zu besonderen Veränderungen im Kernspintomogramm.

 

Medikamentöse Behandlung

Es gibt für eine längerfristige medikamentöse Behandlung bei chronischen Rückenschmerzen nur einen mäßigen Wirksamkeitsnachweis.

NSAR,  also die üblichen Entzündungshemmer (z.B. Ibuprofen und Diclofenac) helfen meist nur  vorübergehend. Es ist aber mit relevanten Wechsel- und Nebenwirkungen zu rechnen. Eine Dauerbehandlung ist von daher nicht zu empfehlen.

Paracetamol hat eine eher geringe Wirkung.
Metamizol kann man in Einzelfällen vorübergehend ausprobieren.

Muskelrelaxantien (Muskelentspannungs-Medikamente) zeigen einen kurzzeitigen Effekt, haben jedoch häufige Nebenwirkungen, daher werden diese nur bei einer akuten Symptomatik vorübergehend verwendet.

Opiate helfen meistens auch nur vorübergehend, so das häufig Dosissteigerungen mit dem Risiko einer Abhängigkeit und anderen Nebenwirkungen nötig sind. Eine längerfristige Behandlung kann dann nur bei wenigen Patienten durchgeführt werden, wenn eine bedeutsame Schmerzreduktion  auftritt und das Allgemeinbefinden deutlich besser wird und falls nur wenig Nebenwirkungen auftreten.

Wenn überwiegend neuropathische Schmerzen auftreten (z.B. ein brennender, elektrisierender Schmerz), dann sind krampflösende  Mittel wie Pregabalin oder Gabapentin Mittel der ersten Wahl.

Bei Vorliegen von Nervenschmerzen helfen oft die Antidepressiva Amitryptilin und Dulexetin.

In seltenen Fällen können Cannabinoide bei Nervenschmerzen helfen.

Bei chronischen Rückenschmerzen hilft  eine medikamentöse Behandlung also häufig nur vorübergehend, so dass ergänzend weitere Behandlungen erforderlich sind.

Interventionen

Insbesondere, wenn man nicht genau weiß, ob der bildgebende Befund für die Schmerzen tatsächlich verantwortlich ist, dann kann man mit verschiedenen Infiltrationen und Blockaden von Nerven mittels Lokalanästhetika versucht werden, die Diagnose besser zu sichern und einzugrenzen. Gelegentlich gelingt es hiermit auch eine Änderung der nervalen Funktion herbeizuführen.

Physiotherapie

Vor allem eine aktive Bewegungstherapie mit Koordination-, Ausdauer-und Krafttraining ist bei chronischen Rückenschmerzen häufig wirksam.

Schmerz-Psychotherapie

Schmerzen sind nicht entweder organisch oder psychisch, sondern an der Entstehung und auch Aufrechterhaltung von Schmerzen sind stets biologische, psychologische und soziale Faktoren beteiligt. Psychosoziale Faktoren spielen eine entscheidende Rolle für den Krankheitsverlauf und bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen. Sie werden deshalb als Warnsignale (“yellow flags“) verstanden und sollten früh im Behandlungsverlauf thematisiert werden.

Dysfunktionale Gedanken
Die Neigung zum Katastrophisieren spielt  eine maßgebliche Rolle.
Hilflosigkeit: “ Ich kann nichts tun, um meine Schmerzen zu lindern“
Verstärkungsangst:  “ Ich habe Angst, dass die Schmerzen immer schlimmer werden“
Grübeln:  “ Ich kann nicht aufhören, an die Schmerzen zu denken“

Schmerzverhalten
Manchmal schonen sich Patientin mehr, als es aufgrund der Schädigung notwendig wäre. Es besteht eine große Angst vor den Schmerzen oder die Befürchtung sich durch eine bestimmte Bewegung zu schädigen.

Teilweise muss auch eine Überaktivität vermieden werden.

Dies alles muss individuell besprochen werden. Häufig ist es sinnvoll, dass die Aktivität nach ein festen Zeitschema durchgeführt wird und dann wieder eine Pause gemacht wird.

 

Psychosoziale Belastung

Es ist zu klären, ob private oder hier Konflikte bestehen.
Gibt es einschneidende Lebensereignisse, psychische Traumata?

Schmerz ist Stress. Dieser Zusammenhang besteht aber auch umgekehrt. Stress führt über eine vermehrte Muskelanspannung zu mehr Schmerzen.
Es sollte daher versucht werden, diesen Teufelskreis zu unterbrechen.

Psychische Komorbidität

Gelegentlich besteht eine ernsthafte psychische Erkrankungen, welche behandlungsbedürftig ist. Bei Schmerzpatienten wird in 40-50% eine depressive Störung festgestellt. Umgekehrt leiden bis zu 75% aller depressiven Patienten an Schmerzen. Einerseits kann der Schmerz die Ursache für eine Depression darstellen, andererseits verändert eine depressive Störung das Schmerzempfinden an sich sowie den Umgang mit den Schmerzen. Teilweise gibt es auch genetische oder frühe Umweltfaktoren, welche sowohl das Risiko für das Auftreten von Schmerz und auch von Depressionen erhöhen.

Bei Patienten mit chronischen Schmerzen finden sich auch häufiger generalisierte Angststörungen, Panikstörungen oder soziale Phobien, welche teilweise eigenständige Störungen sind, Andererseits können sich bei Patientin mit Schmerzen  die Ängste aber auch ausschließlich auf die Schmerzsituation beziehen.

Bei  posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) treten in 10-50% chronische Schmerzen auf. Umgekehrt leiden  34-80% der PTBS-Patienten auch an Schmerzen.

Andere Therapieformen

Mehrere Studien belegen eine Effektivität von Akupunktur bei chronischen Kreuzschmerzen.

Wichtig bei der Behandlung chronischer Schmerzen ist ein ganzheitlicher Ansatz im ureigensten  Sinn, das heißt, es darf nicht nur der schmerzende Rücken betrachtet, sondern der Mensch muss in seinem sozialen Umfeld gesehen werden und es müssen auf schmerzpsychologische Kriterien berücksichtigt werden (Bio-psycho-soziales Modell)

Eine Therapieform allein ist bei chronischen Rückenschmerzen meist  nicht zielführend. Erforderlich ist häufig eine interdisziplinäre Behandlung und noch besser eine multimodale Schmerztherapie.